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PopZine.de - Björn Dixgård (MANDO DIAO) - Interview
Björn Dixgård (MANDO DIAO) - Interview PDF Drucken E-Mail
bjoern_dixgard

Wenn Blicke töten könnten, wäre ich in diesem Moment an einem frühen Abend Anfang Dezember auf meinem Weg ins Gloria Theater gleich dreißig Mal gestorben. Denn schätzungsweise so viele minderjährige Augenpaare sind es, die sich mir missgünstig in den Rücken bohren. Auch schon um 18 Uhr hat sich die jugendliche Mando-Diao-Fanmeute vor der Tür des Gloria in der Kälte versammelt, um einen möglichst guten Platz bei der anstehenden Show einer ihrer Halbgötter, Björn Dixgård, ergattern zu können. Und wenn ich es richtig mitbekommen habe, scheint es auch schon Diskussionen mit den Türstehern zu geben, ob ein Einlass ohne schriftliche Erlaubnis der Erziehungsberechtigten überhaupt möglich ist. Na toll, jetzt fühle ich mich erst richtig alt (und das mit 25...). 

Björn Dixgård selbst jedoch erscheint von dem Trubel um seine Person relativ unbeeindruckt und entpuppt sich als entspannter Typ ohne Allüren, der anscheinend wirklich nur Spaß daran hat auf der Bühne zu stehen und Musik zu spielen und seine Pause von der Band lieber on the road als zu Hause oder im Studio verbringt. Und anscheinend nicht so gute Erfahrungen mit Fisch im Haus seiner Großmutter gemacht hat. Aber lest selbst.

Also, zunächst einmal: Du hast gerade erst ein Album mit Mando Diao herausgebracht, solltest du da nicht auf einer Promo-Tour oder so was sein? Wie kommt es, dass du stattdessen eine Solo-Tour machst?

Na ja, wir sind schon ziemlich viel auf Promo-Tour gewesen, wir haben einige Gigs mit Mando Diao gespielt, Radio-Shows und so was. Aber wir haben beschlossen, dass wir den Rest des Jahres frei haben, so dass jeder von uns machen kann was er will. Und ich wollte halt eine Tour machen. Darum mache ich das.

Statt dich also einfach mal zurückzulehnen und einfach nichts zu tun, gehst du lieber auf Tour?

Ja, ich denke keiner von uns ruht sich momentan richtig aus. Alle machen irgendwas anderes.

Wie zum Beispiel...?

Manche sind im Studio gewesen, das wir gerade gekauft haben. Andere wiederum passen auf ihre Kinder auf. Und andere machen wieder andere Sachen. Ich weiß auch gar nicht so genau, was sie machen. Ich bin ja jetzt auch seit drei Wochen auf Tour gewesen. Insofern weiß ich das gar nicht so genau. Aber sie haben wohl viel im Studio gemacht und das ist ja gut.

Auf dem neuen Mando Diao Album benutzt ihr Streicher- und Chorarrangements. Könntest du dir das auch generell für eure Tour vorstellen?

Ja. Ich meine, wir gehen nächstes Jahr auf Tour, wir wissen jetzt noch nicht wann genau, aber wir wissen schon, dass wir in Europa und Japan und so auf Tour gehen. Und da werden wir wohl alles mitbringen, denke ich. Alles, was auf dem Album zu hören ist. Also Trompeten und Streicher zum Beispiel. Wir wollen das Album ja möglichst originalgetreu wiedergeben. Oder ansonsten müssten wir das so machen, wie ich es momentan auf der Solo-Tour mache.

Ansonsten hört sich das ja dann auch komplett anders als das Album an...

Ja. Es macht immer Spaß, das ähnlich wie das Album auf die Bühne zu bringen.

Ja, das wird bestimmt interessant. Oder vielleicht ein Mando Diao Unplugged Konzert mit Streichern, wie einst Noel Gallagher akustisch?

Ja, wir denken darüber nach, so etwas Ähnliches zu machen. Vielleicht arrangieren wir einen Gig in Stockholm oder so. In irgendeiner coolen Venue, einem kleinen Theater vielleicht. Und da würden wir dann alles mit hinbringen, es akustisch machen und alles filmen lassen. Das könnte man dann ja auch vielleicht als DVD rausbringen.

Vielleicht aber auch außerhalb von Stockholm?

Vielleicht auch außerhalb, vielleicht auch ganz woanders. Wir könnten das überall machen. Auf den Bahamas vielleicht? (lacht)

Du hast dem Musikexpress erzählt, dass euch schwedische Folkmusik sehr beeinflusst hat. Wie stehen denn die Ambitionen auf Schwedisch zu singen, quasi komplett zurück zu den Wurzeln…?

Hmm, nein. Ich meine, wenn wir eine schwedische Platte machen würden, mit schwedischen Texten, dann hätten wir wohl ein paar Probleme Texte zu schreiben. (lacht) Wir könnten das wahrscheinlich schon machen, aber nein, wohl eher nicht.

Fällt euch das also wirklich leichter, Texte auf Englisch zu schreiben?

Ja, irgendwie schon. Denn du hast eher eine Ausrede, wenn du keine dermaßen intellektuellen Texte schreibst. Manchmal haben wir die ja schon, zumindest denken wir selbst das, aber...

Es gibt ja auch schwedische Bands, die sich da rangetraut haben, Kent zum Beispiel.

Manche von ihren Texten sind wirklich gut, andere hingegen aber auch wieder nicht. Das ist ein ziemliches Entweder/Oder.

Du sagtest, dass du deine eigenen Interpretationen der Mando Diao Songs bringst. Mit Trompeten und Percussions. Ist es schwer bei Mando Diao auf einen gemeinsamen Ausgangspunkt zu kommen, seine Meinung durchzusetzen? Oder probierst du einfach mal was aus auf dieser Tour?

Es ist nicht wirklich schwierig, meine Meinung durchzusetzen, nein. Es kommt ziemlich selten vor, aber manchmal haben wir natürlich komplett andere Meinungen. Und das ist immer schwierig und es gibt immer Diskussionen. Aber das ist nun mal so, ich weiß nicht... Aber seine Meinung durchzusetzen ist nicht wirklich schwierig, nein. Es macht halt einfach Spaß.

Was genau machst du denn dann jetzt anders?

Was ich auf der Tour hier jetzt anders mache? Hmm... Ziemlich viel. Ich habe einen Trompeter dabei und einen Percussionisten, ich spiele Akustikgitarre während der ganzen Show, es ist also ziemlich anders. Wir sind auf einer solchen Tour noch nicht gewesen. Abgesehen davon singe ich jetzt alle Songs (lacht). Es sind auch komplett andere Arrangements.

Demzufolge was ich bisher von deinen Shows so gehört und gelesen habe, spielst du nicht wirklich eigene Songs auf dieser Tour. Warum? Ich meine, letztendlich ist das doch DEINE Solotour. Solltest du da nicht die Möglichkeit nutzen so viel deiner eigenen, bisher nicht gehörten, Musik wie möglich an den Mann zu bringen?

Nein, denn ich meine, Mando Diao Songs SIND meine Songs. Sie sind meine und Gustafs, wenn du es genau nimmst. Es sind meine und Gustafs Songs, so sehen wir das. Wenn wir Songs schreiben sind das genauso meine wie seine und andersherum. Es fühlt sich an wie meine Songs, es sind meine Songs. Und es sind meine Lieblingslieder. Das sind also die Lieder, die ich spiele.

Du hast also keine Songs auf Lager, die du zum Beispiel heimlich backstage für dich alleine geschrieben hast?

Ich habe einen Song, den ich spiele, den wir aber nie veröffentlicht haben. Das ist es aber eigentlich auch schon. (lacht) Der Rest sind die guten alten Mando Diao Songs.

Was deine Fans gewiss interessieren wird ist, ob es von deiner Solotour vielleicht so etwas wie eine Live-CD geben wird.

Ja, ich denke schon. Ich meine, jede Show wird aufgenommen und hinterher direkt auf USB Stick verkauft. Das ist ja schon mal ziemlich wie ein Live-Album. Du kannst also das Konzert, das du dir gerade eben angeguckt hast, direkt danach kaufen und mit nach Hause nehmen. Aber vielleicht machen wir ja eine Collection. Von allen Shows die besten Versionen der jeweiligen Songs packen wir dann auf eine Platte. Da müssen wir mal einen Blick drauf werfen.

Wenn man eigentlich daran gewöhnt ist, mit einer Band auf Tour zu gehen, jetzt aber alleine auf Tour ist, dann müssen dir doch bestimmt Vor- und Nachteile für beide Möglichkeiten auffallen. Was sind diese Vor- und Nachteile?

Ich meine, vor drei Tagen habe ich erst diesen einen Auftritt in Köln (er meint wohl Mannheim, denn dort war er drei Tage zuvor und wir sind gerade in Köln, Anm. d. Red.) gehabt und bis dahin fühlte ich mich nicht allein. Denn die beiden anderen (Trompeter und Percussionist) habe ich ja auch noch. Und ich habe meine Mando Diao Crew, alles Leute, mit denen ich schon lange vorher gearbeitet habe und eigentlich fühlt sich alles ziemlich normal an. Aber es ist trotzdem manchmal recht eigenartig. Es ist schließlich immer gut, sich gegenseitig zu haben. Man muss sich außerdem nicht um alles immer selbst kümmern. Jetzt muss ich das aber. Das ist aber auch mit ein Grund, warum ich diese Solotour machen wollte. Weil ich ausprobieren wollte, wie sich das anfühlt.

Aber das erste Mal, dass ich mich richtig allein fühlte war eben vor drei Tagen. Da habe ich diese Show sogar ohne meine beiden anderen Musiker gespielt. Ein ganzes Set alleine mit deiner Akustikgitarre zu bestreiten ist schon ein komisches Gefühl. (lacht) Ich war auch vor der Show schon die ganze Zeit alleine, und solche Sachen, also... das fühlte sich schon sehr eigenartig an.

Und gibt es denn auch einige Vorteile?

Hm, na ja, das hat alles was mit den Arrangements zu tun. Ich kann die Songs exakt so spielen, wie ich das möchte. Bei Mando Diao ist das ansonsten halt eine demokratische Entscheidung. Jeder sagt seine Meinung und es ist immer eine Art Kompromiss. Aber immer ein guter Kompromiss. Meistens. Wenn wir uns zu sehr um einen Song streiten, dann lassen wir ihn meistens weg.

Kannst du denn jetzt Sachen machen, die du mit der Band um dich herum nie machen könntest? Wenn ja, was sind solche Sachen? Magst du zum Beispiel, der Hauptfokus ohne die anderen auf der Bühne zu sein?

Ja, ich denke einfach es macht Spaß. Aber ich denke bei Mando Diao stehen wir alle im Fokus.

Besteht denn die Möglichkeit, dass du jetzt eventuell auf den Geschmack gekommen sein könntest, was eine Solokarriere angeht und du jetzt vielleicht Mando Diao verlässt? Kannst du irgendetwas sagen um uns zu beruhigen?

Ich kann vieles sagen, um euch zu beruhigen. Ich meine, wir sind gerade eben erst im Studio fertig geworden. Wir sind alle gute Freunde. Es gibt keinen Grund, sich da Sorgen zu machen. Es gab da jetzt natürlich viele Gerüchte, aber... Das ist auch wieder ein anderer Grund für die Solotour. Ich möchte gar nicht allein eine Platte aufnehmen oder eine Solokarriere daraus machen. Ich möchte nur mal ein paar Wochen alleine auf Tour gehen. Und mich dann wieder zurück auf das Normale besinnen. Das ist also kein Problem (lacht).

Natürlich gibt es ja immer die Tendenz, dass ein bisschen Panikmache entsteht, wenn ein Teil einer Band solo etwas macht.

Natürlich weiß man das ja nie so genau. Das kann man einfach nicht wissen. Wir könnten uns natürlich auch morgen trennen. Irgendetwas Schlimmes könnte passieren. Aber ich denke nicht, dass das passiert.

Nun, Gustaf kam ja in Zürich vorbei… Wie sieht’s aus, gibt es heute Abend auch Special Guests?

Ja, wir haben heute eine Rockabilly Gruppe aus Schweden dabei, Fatboy. Das sind die Typen, mit denen wir gerade ein bisschen gejammed haben. (lacht) Ja, und das erwartet euch heute Abend.

Wie du ja auch gerade schon gesagt hast, wirst du heute nicht komplett alleine auf der Bühne stehen, oder? Wer sind die Musiker, die dich unterstützen?

Der eine, der Drums und Percussion spielt, ist Fredrik Wennerlund. Er ist ein alter Freund von Mando Diao. Und ich wusste, dass er Schlagzeuger ist, also habe ich ihn einfach mal vorspielen lassen. Er war sehr gut und ist dann auch noch ein guter Freund. Perfekt. Und Nils (Janson, Anm. d. Red.) ist auch auf der ganzen Tour bis jetzt dabei gewesen. Ihn kannte ich vorher auch schon und ich wusste dass er gut ist, also war das auch ziemlich naheliegend.

Eine Freundin von mir, die ein Riesenfan von dir ist, war auf deiner Show in Mannheim und sie war ziemlich sauer.

(überrascht) Oh, wirklich?

Ja, aber nicht wirklich wegen dir, sondern weil sie drei Stunden gebraucht hat um zur Show zu kommen, solche Komplikationen wie einen Riesenstau und so weiter eingeschlossen.

(mitfühlend) Oh.

Und dann hast du nicht einmal Chet Baker gespielt!

(lacht)

Kommt es also öfters vor, dass du mit der Tatsache konfrontiert wirst, dass deine Fans irgendwie enttäuscht sind?

Ja, sie denken immer, wir spielen nicht lang genug. Aber ich meine, ich spiele 19 Songs auf dieser Tour. Wenn ich mehr Songs an einem Abend singe, dann kann ich die Show am nächsten Tag vergessen. So ist das leider nun einmal. Dann ist meine Stimme kaputt. Das ist eine langweilige Tatsache, aber so ist es einfach. Ich spiele so lange, wie ich mit Mando Diao zusammen auch immer spiele, eineinhalb Stunden. (lacht). Es ist hart, ich weiß. Und eigentlich willst du selbst auch immer mehr spielen.

Wenn man sich einmal die Entwicklung vom ersten Mando Diao Album bis heute anguckt, würde ich sagen, dass es definitiv die Tendenz gibt, dass eure Fans immer jünger werden und vor allem dass sie mehr und mehr ausflippen und während eurer Konzerte total ausrasten. Das letzte Mal, als ich auf einem Konzert von euch war, erinnerte mich das ehrlich gesagt sehr an das Take That Konzert, auf dem ich mit 12 mal war und plötzlich fühlte ich mich sehr alt.

(lacht)

Ist euch schon einmal in den Sinn gekommen, dass so etwas eure älteren Fans eventuell vergraulen könnte?

(grinst) Neeein. Ich denke wir bekommen natürlich immer neue Fans dazu. Aber ich habe auch viele alte Fans gesehen, besonders jetzt auf meiner Tour. Denn auf dieser Tour bekomme ich mehr vom Publikum mit, mehr noch als bei Mando Diao, denn hier muss ich allein die Kontrolle behalten und auch mehr auf das Publikum eingehen. Und da habe ich in letzter Zeit auch viele alte Leute gesehen. Viele alte Frauen tatsächlich. (lacht)

Was heißt denn da bitte jetzt „alt“?!

Ja, so 60 bis 65.

Wow.

 Ja, so wirklich, richtig alt. Und ich habe sie in der ersten Reihe gesehen!

Nein, ich denke nicht, dass das etwas ist, wovor man Angst haben muss.

Na ja, letztendlich könnt ihr da ja sowieso nichts gegen machen.

(lacht) Nein, wir machen einfach Musik. Und wir sehen aus, wie wir aussehen. Tja, was können wir machen? (lacht)

Um noch einmal Bezug auf eure sehr enthusiastischen Fans zu nehmen: Hast du jemals den Punkt erreicht, an dem dir das Interesse an deiner Person zu viel wurde? Was war da bis jetzt dein schlimmstes Erlebnis?

Ich mag es einfach nicht, wenn Fans zu private Fragen stellen. Warum wollen die wissen, wie genau meine Verlobte aussieht? Oder was auch immer. Das macht keinen Sinn. Denn wir machen nun einmal Musik. Und auch, was Gustafs Kinder angeht und so etwas. Das regt mich ziemlich auf. Ja, denn das ist unser Privatleben. Das ist und bleibt nun einmal eine Art von  Beruf. Es ist ein Beruf, der sehr großen Spaß macht. Ich weiß, dass es dann eine Art Leidenschaft für uns gibt, aber es ist nach wie vor die Musik, die die Leidenschaft ausmachen sollte und nicht, sich mit unserem Privatleben auseinander zu setzen.

Gab es denn da schon einmal, ich nenne es mal „körperliche Attacken“? Wildes Umarmen, Küssen, irgendwie so etwas?

(lacht) Ja, manche Leute werden manchmal ein bisschen wild. Das kann aber auch sehr lustig sein. Falls aber jemand mit einer Waffe auf mich zurennen sollte, hätte ich ziemlich Angst.

Das wäre dann aber auch kein Fan.

(lacht) Ja, stimmt.

Zu dem Lied „I don´t care what the people say“ habt ihr in einem Interview gesagt, es sei ein Wiegenlied für Emo-Kids.

(lacht)

Das ist ein klares Statement, dass euch dieser Emo-Trend auch auf die Nerven geht. Was denkst du wo dieser Emo-Trend herkommt? Was ihn entfachte? Was tausende Kinder so traurig machte?

Hmm, ich weiß nicht. Als ich jung war, als ich noch ein Teenager war, hatte ich einige Jahre, in denen ich auch nur depressive Musik hörte. Das war natürlich noch kein Emo damals, das war mehr Trip Hop, so etwas wie Portishead, Massive Attack oder so etwas. Das ist einfach eine Phase, durch die viele gehen, denke ich. Das ist eine depressive Phase für viele. Die Schule geht dir auf die Nerven, du bist müde vom Leben, du versucht deine eigene Identität zu finden und so weiter. Ich schätze also, dass diese Musik die jungen Leute anspricht. Es wird immer Musik in dieser Art geben und ich denke auch, dass es so etwas schon immer gegeben hat. Vielleicht nicht unbedingt in den Sixties, denn alles war so happy zu der Zeit, zumindest was die Musik angeht, aber... Ich weiß auch nicht. Ich denke es ist wichtig, dass es Musik gibt, mit der sich die Leute identifizieren können. Denn wenn Menschen einen derartigen Glauben an die Musik haben, ist das immer gut. Ob sie jetzt traurig oder glücklich ist.

Mit der Zeit wurde nicht nur eure Musik ruhiger sondern auch euer ganzes Auftreten. Woran lag es bei euch, dem Alter oder dem abgebrühten Business?

Du meinst also, warum sich die Musik geändert hat? Das ist einfach ein natürlicher Vorgang, dem du folgen musst. Wir mussten das Ganze für uns selbst ja auch spaßig gestalten und uns verändern, denn so sind wir immer schon gewesen. (lacht) Und wenn wir das nicht machen, dann denke ich, wenn wir alles so beibehalten würden, dann würde uns sehr schnell langweilig werden. Und das könnte dann ja wiederum zu einer Auflösung führen. Und da haben wir natürlich große Angst vor.

Wir wollen uns also ständig verändern. Das wird dann auch wieder ein natürlicher Vorgang. Ich denke aber nicht, dass wir wirklich ruhiger geworden sind. Wir haben immer so viele Seiten an uns. Wir haben die energiegeladene Seite immer noch an uns. Mit dem neuen Album haben wir nur mehr Bezug auf eine Seite genommen, die auch immer schon da gewesen ist. Wenn du dir zum Beispiel alte B-Seiten anhörst, dann haben wir solche Sachen immer schon gemacht. Die waren dann nur nie auf der eigentlichen Platte drauf. Wir wollten Ode to Ochrasy eigentlich auch nicht machen. Und viele Rock-Bands, viele gute Bands, verändern sich nicht so viel. Ich denke aber, dass das langweilig wäre.

Nun, eine Frage kann und will ich mir nicht verkneifen. Ich habe vor kurzem zum ersten Mal mit Surströmming (vergorener Fisch) Kontakt gemacht -

(lacht) Uuaah!

- der etwas fragwürdige Export Schwedens. Wenn du mir jetzt sagst, dass du den schon mal gegessen hast, dann bist du mein ganz persönlicher Held!

Nein. (lacht) Ich meine, meine Großmutter hat mich einmal zu sich nach Hause eingeladen und sie wollte das servieren. Und sie hat die Dose geöffnet. Und ich dachte nur „Wer zum Teufel hat hier einen fahren lassen, es stinkt nach Scheiße!“ So etwas kann man einfach nicht essen. Viele Leute aus Schweden lieben das, aber...

Ich glaube ich habe in meinem Schwedisch-Buch sogar etwas über ein Sürströmming-Fest oder so etwas gelesen.

Ja, Schweden sind einfach nur verrückt! Wenn es um Sürströmming geht, dann sind sie einfach nur verrückt, denke ich. Wir haben auch noch eine andere Tradition, das ist Flusskrebs. Aber die stinken nicht und schmecken auch noch gut. (lacht)

OK, wenn wir dann schon einmal bei Schweden sind, dann muss ich dir noch von meiner eigenen, kleinen Theorie erzählen. Es ist ein bisschen absurd, aber hör es dir einfach mal an. Zuerst gab es ABBA, dann kamen IKEA und H&M und dann kamt ihr und THE HIVES und diese ganzen anderen tollen Bands aus Schweden. Jetzt mal ganz ehrlich: gibt es da geheime Pläne der Schweden, die Weltherrschaft an sich zu reißen?

(lacht). Na ja, WIR wollten definitiv die Welt beherrschen, als wir angefangen haben. Aber heute geht es uns definitiv nur noch darum, gute Musik zu machen. Ich weiß nicht, wir können ziemlich gut Englisch, viele Leute aus Schweden können das. Es ist aber auch ziemlich langweilig in Schweden manchmal. Ich meine, es gibt nicht viel zu tun. Kommt darauf an, was du magst, wenn du auf Natur und Angeln stehst, dann gibt es vermutlich genug zu tun. Wenn du aufs Stadtleben stehst, dann ist das nichts für dich, abgesehen von Stockholm vielleicht.

(Wir schnacken noch ein bisschen über Stockholm, Södermalm und die Clubs, die es da so gibt und dann ist unsere Zeit auch leider schon um.)

 Tack för interviewet.

Tack själv.


http://www.myspace.com/bjorndixgardofmandodiao

http://www.mandodiao.com

http://www.myspace.com/mandodiao

 
(Jessica Schnittger, Helen Beckers) 

 


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