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PopZine.de - SHOUT OUT LOUDS - Interview
SHOUT OUT LOUDS - Interview PDF Drucken E-Mail

 

shout_out_louds_pressFoto: Pressefoto

Nach dem enorm erfolgreichen 2005er Debütalbum der SHOUT OUT LOUDS, „Howl Howl Gaff Gaff“, das ihnen den Durchbruch in der internationalen Indie-Szene bescherte, erschien vor kurzem endlich das „schwierige“ zweite Album, dass sie am letzten Tag des gemütlichen Haldern Pop Festivals vorzustellen gedenken, wo wir mit ihnen ein Interview vereinbart haben. Fast schon ein Heimspiel für die fünf sympathischen Schweden, veröffentlichen sie doch hierzulande auf dem Festival-eigenen Label.

So treffen wir backstage auf die etwas schüchtern wirkende, aber doch gut gelaunte Keyboarderin Bebban Stenborg, die sich mitten in der prallen Sonne auf dem Rasen niedergelassen hat, und in ihrem Hippie-Kleidchen wirklich ganz bezaubernd aussieht, jedoch schon zu Beginn erklärt, dass sie das gute Wetter zwar genieße, da es im heimatlichen Schweden in der letzten Zeit eigentlich nur geregnet habe, ihr die deutschen 30 Grad dann doch etwas zu warm seien. Nichtsdestotrotz lässt sie sich im Folgenden geduldig von uns zum neuen Album „Our Ill Wills“ ausfragen, das der Band den wohl ewig nachklingenden THE CURE-Vergleich eingebracht hat.

 

Nach eurem Debütalbum wart ihr ständig auf Tour und habt nebenher noch eure neue Platte produziert, um dann wieder lange und ständig auf Tour zu gehen, nehme ich an. Wie schafft ihr das, nicht verückt zu werden bei diesem Tourleben? Oder seid ihr vielleicht schon verrückt geworden?

 

Nein, nein, es war toll! Es ist immer ein ziemlicher Spaß, zu touren. Man vergisst irgendwie, wie es ist nicht auf Tour zu sein. Ich weiß auch nicht, wir denken darüber nicht so viel nach.

 

Aber ist es nicht hart, ständig so lange von seiner Familie und den Freunden getrennt zu sein?

 

Nein, das ist okay. Es ist natürlich immer schön, Familie und Freunde zu sehen, aber wenn du auf Tour bist, fühlt es sich ein bisschen an, wie ein anderes Universum. Es ist, als ob zu Hause die Zeit stillsteht, oder zumindest in deinem Kopf. Du erwartest, das die Dinge sich nicht ändern, während du weg bist, und dann kommst du zurück und es ist immer noch alles wie vorher.

 

Bei eurer ersten Tour wart ihr nach eigenen Aussagen immer nervös, wenn ihr an einem Sonntagabend oder unter der Woche gespielt habt. Ihr hattet die Theorie, dass es für eine neue, noch unbekannte Band schwer sein würde, außerhalb des Wochenendes Publikum zu bekommen. Hat sich das mit dem neuen Album geändert oder habt ihr diesen Tick beibehalten?

 

Es ist natürlich besonders schön, wenn die Leute auch an einem Montagabend kommen. Aber nein, wir sind darüber nicht mehr so besorgt, denn wir waren jetzt so lange auf Tour, dass wir wissen, dass überall mindestens 15 Leute kommen werden. Und das ist ja genug, wir spielen mit der gleichen Energie, egal ob es 500 oder nur 25 Leute sind. Das ist also okay für uns.

 

Adam hat Grafikdesign studiert, und das neue Artwork sieht auch sehr nach Grafikdesign aus, hat er es auch entworfen oder habt ihr euch wieder Freunde ins Boot geholt?

 

Also diese ganzen Flaggen haben natürlich schon existiert. Wir proben in einem alten Hotel für die schwedische Marine, deswegen gibt es dort jede Menge solchen Kram überall in unserem Proberaum, alte Sachen von der Seefahrt und so etwas. Ich glaube Adam hat sich einfach gedacht, dass all das uns ganz gut steht.

 

Also hat er das Artwork entworfen?

 

Ja, er und Carl haben das zusammen gemacht.

 

Ihr habt mal gesagt, dass es für euch schwer wäre, mit neuen, fremden Menschen zusammenzuarbeiten, Ist es nicht gerade im Musikbusiness schwer, damit ein Problem zu haben?

 

Du meinst bezüglich Artwork und solchem Kram?

 

Ja, aber auch in Hinblick auf eure Musik, wenn ihr mit Leuten zusammenarbeitet, die ihr nicht so gut kennt!

 

Nein, denn wir hatten immer das Glück, dass wir mit Leuten arbeiten konnten, die uns machen ließen, was wir wollten. Ich glaube wir würden aber auch nichts anderes akzeptieren, denn wir sind etwas...naja, nicht wählerisch, aber wir machen eben immer das, was wir wollen. Und bis jetzt wusste auch jeder, der mit uns arbeiten wollte, was für eine Band wir sind, und hat nicht von uns erwartet, dass wir zum Beispiel mit Stylisten arbeiten oder so.

 

Nun habt ihr für das neue Album Björn von PETER, BJORN & JOHN gewonnen, ähnlich wie bei der „Oh Sweetheart“-EP. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

 

Björn, der auch in Stockholm lebt, hat schon bevor PETER, BJORN & JOHN so erfolgreich waren, viel als Produzent gearbeitet. Es war so, dass er in irgendeinem Club mal auf Adam zugegangen ist und ihm sagte, das er die Art und Weise, wie unser erstes Album produziert worden war, absolut schrecklich fand. Er sagte, er möge die Songs, aber er fand es grässlich, was die Produzenten damit angestellt hätten. Aber vielleicht war das auch bloß ein Anmachspruch für Produzenten (lacht). Ich weiß es nicht.

 

Also wollte er es besser machen?

 

Genau. Und deswegen haben wir uns entschlossen, es mit ihm auszuprobieren als wir die drei Songs für die EP aufgenommen haben, die keine große Sache waren, sondern einfach nur drei Songs, die wir machen wollten. Und im Endeffekt waren wir dann sehr glücklich mit seiner Arbeit.

 

Wie groß war denn der künstlerische Einfluss, den ihr Björn überlassen habt? Denn man merkt schon deutliche Parallelen, wenn man an die vermehrten Percussions und Glockenspiele denkt.

 

Ich glaube wir haben uns innerhalb der Band alle schon vor einer Weile dazu entschlossen, dass wir uns bei den neuen Songs mehr auf Percussions und Drum-Sounds konzentrieren wollten. Wir hatten also diese Idee und natürlich kann Björn so was sehr gut, also hat es einfach gepasst. Das meiste war aber unsere Idee, wir haben da einfach immer ganz gut mit ihm übereingestimmt.

 

Ansonsten seid ihr eurem Sound aber doch sehr treu geblieben. Ist das eine Form von Geradlinigkeit oder auf den Erfolg, den ihr mit eurem Stil habt, zurückzuführen?

 

Wir denken über so etwas nicht nach, wenn wir Songs schreiben. Alles wird zu einer Art geschlossenen Welt, wenn du Stücke schreibst und sie probst, weil du niemand anderes siehst und wir auch niemanden haben, der kommt und sich die Stücke anhört, außer Björn, er kam einmal vorbei, als wir aber schon fast fertig waren. Wir versuchen im Songwriting-Prozess einfach zu vermeiden, darüber nachzudenken, was andere Leute denken könnten.

Ich glaube, dass wir halt einfach so klingen. Selbst wenn wir ganz anders klingen wollen würden, denke ich nicht, dass wir es könnten.

 

Dann muss man da noch den Vergleich zu THE CURE ziehen, der ja nicht weiter interessant wäre, wenn ihr nicht mit eurem Song „Normandie“ den CURE-Song „Close to you“ stimmlich und melodisch fast eins zu eins übernommen hättet. Wie konnte das passieren?

 

Naja, bei diesem einen Song mochten wir den Schlagzeugsound sehr, deswegen haben wir das übernommen.

Ich finde allerdings, dass dieser Vergleich etwas zu sehr aus dem Ruder gelaufen ist, denn nur deswegen fängt jeder an, in allem was wir tun, nach THECURE-Ähnlichkeiten zu suchen, in jedem kleinsten Stückchen Sound das wir produzieren. THE CURE waren außerdem ja eine sehr instrumentale Band, sie hatten so viele verschiedene Instrumente und Orchesterbegleitung und so was, deswegen glaube ich, dass es natürlich ist, dass diese Dinge in unserer Musik wiedergefunden werden können, aber ich glaube es ist überhaupt nicht so extrem, wie es scheint, wenn man in diesen Tagen etwas über uns liest. Wir haben noch nichts über unser neues Album gehört, das nicht diesen Vergleich gezogen hätte. Deshalb wird es langsam etwas ermüdend. Ich meine, wir mögen THE CURE, aber es ist nicht so, dass wir extra darauf gezielt hätten, so zu klingen. Außer eben in dem einen speziellen Song.

 

“Time left for love” setzt einen ernsten Text auf eine poppige Melodie. Mit diesen Gegensätzen spielen viele Bands immer wieder. Warum ist diese Mischung aus Gut und Böse für Musik so interessant?

 

Ich glaube, dass es interessant für viele Dinge ist, nicht nur für Musik. Denn wenn Dinge offensichtlich sind, verlieren sie irgendwie ihre Anziehungskraft, auch in Filmen und Büchern. Klar, irgendwann wird es auch vorhersehbar, einfach nur weil es Gegensätze gibt und gerade unvorhersehbar sein soll.

Aber finde einfach, dass es das ist, was die Dinge interessant macht – Gegensätze, egal was für Gegensätze das sind.

 

“Meat is murder”, handelt nicht von den SMITHS, wie man denken könnte, sondern von der Hilfe, die Musik dem Menschen bieten kann. Habt ihr da persönliche Erfahrungen, in denen Musik euch geholfen hat? Oder ist es vielleicht sogar der Grund, warum ihr zur Musik gekommen seid?

 

Ja, absolut. Ich meine, Musik kann einen Tag bereichern oder niederschmettern, nicht nur einen Tag, auch ein ganzes Jahr, wenn man so will. Es ist hart, keine Musik um sich zu haben. Ich glaube jedes Mitglied der Band hat da unterschiedliche Erfahrungen gemacht, ich will da aber jetzt nicht ins Detail gehen.

 

Ich finde, dass ihr manchmal auch etwas nach den MAGIC NUMBERS klingt. Ihr wart mit dieser Band ja lange auf Tour. Was denkt ihr, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Band mit der man lange tourt, musikalisch Einfluss auf die eigene Musik nimmt?

 

Das ist eine gute Frage. Ich schätze es hängt davon ab, ob man miteinander befreundet ist. Die MAGIC NUMBERS sind gute Freunde von uns. Ich glaube, die Wahrscheinlichkeit ist höher, von Freunden oder Menschen mit denen man gut auskommt, beeinflusst zu werden. Eher, als wenn man nur auf Tour mit einer anderen Band ist, denn du kannst ja mit fast jeder Band touren, und es ist nicht gewiss, dass ihr miteinander auskommt oder dass man die Musik des anderen mag.

Diesen Vergleich habe ich auch noch nie gehört, aber ich denke, wenn wir von ihnen beeinflusst sind, dann eher von ihren Persönlichkeiten.

 

Bei der Recherche sind wir in einem englischen Interview darauf gestoßen, dass ihr gesagt habt, ihr würdet gerne über Tiere reden und würdet viel zu wenig danach gefragt. Natürlich möchte ich euch diesen Wunsch erfüllen:

 

Meine Kollegin Annette  hat eine Katze und erzählt, dass diese definitiv einen eigenen Musikgeschmack hat, manchmal sieht es sogar so aus, als ob sie Songs bevorzugt, die auch ein großes Hitpotential haben. Meinst du, Tiere haben ein musikalisches Gehör beziehungsweise Verständnis?

 

Ich glaube sie haben ein sehr gutes Ohr für viele Dinge. Sie haben einen Sinn für so was. Ich weiß nicht, ob sie eine Vorliebe haben, oder ob eine Katze eine Entscheidung fällen kann. Sie können zumindest ihren Geschmack nicht kommunizieren, außer mit einer Reaktion auf etwas. Aber ich habe schon so viel über elektromagnetische Strahlungen und so etwas gehört, alles Sachen, auf die wir Menschen überhaupt nicht reagieren. Und Musik hat so viele Level, die für uns unmöglich zu hören sind, deswegen denke ich auf jeden fall, dass das Tierreich wahrscheinlich mehr weiß als wir.

 

Wie sieht es denn bei euch selber aus? Habt ihr Tiere? Man kennt das ja, dass Künstler Tiere immer wieder als Muse ansehen, so wie zum Beispiel Andy Warhol seine Katzen.

 

Ich weiß nicht. Naja, Adam hat so was vor langer Zeit mal über seinen Hund gesagt, aber dieser Hund ist jetzt tot.

 

Oh, das tut mir Leid..

 

Ist schon okay. Aber im Moment hat keiner von uns Haustiere, weil wir so viel auf Tour sind und uns nicht gut genug um sie kümmern könnten.

Ich habe gestern noch darüber nachgedacht, dass ich Angst habe, dass, wenn ich ein Tier hätte, es sterben könnte, denn Menschen werden nun mal älter als Tiere. Ich kann aber nicht mit dem Tod umgehen. Deshalb will ich keine Tiere. Aber wenn wir auf Tour sind, gehen wir oft in Wildlife-Parks und Aquarien und solche Sachen. Ich weiß nicht, Kinder und Tiere haben so etwas, was uns besänftigt, wenn wir uns in ihrer Nähe aufhalten.

 

Wenn du eure Musik mit der Art eines Tieres vergleichen müsstet, welches würdest du wählen?

 

Schwierige Frage, denn es gibt so viele Tiere, die vom Menschen mit bestimmten Bedeutungen belegt sind, dass es einfach ist, sich darin zu verlieren, wenn es darum geht, etwas so Menschliches mit etwas zu vergleichen, das so unterschiedlich vom Menschen ist. 

Aber ich denke, ich würde einen Hahn wählen.

 

 

http://www.shoutoutlouds.com/

http://www.myspace.com/shoutoutlouds

 

 

(Lisa Kreimeyer, Annette Raczuhn)

 


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