Foto: Pressefoto
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Auf dem Hof
vor dem Gebäude 9 in Köln haben es sich Eddie Argos und Jasper Future in der
Sonne für ihre Interviews gemütlich gemacht. Aber Eddie sieht wirklich schlimm
aus: irgendetwas liegt in der Luft, das bei ihm üble Heuschnupfenattacken
auslöst. Tja, wie gut dass Annette unter dem gleichen Übel leidet und immer
ihre Wunder-Heuschnupfentabletten (Marke bleibt geheim) dabei hat. Wir
versorgen Eddie also erst einmal mit den richtigen Medikamenten, bevor wir mit
einem Interview loslegen, das von Seiten der ART BRUT Fraktion ab und an mit
kleinen Lachattacken unterbrochen wird – wir deuten das als gutes Zeichen.
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Bei eurem neuen Album seid ihr eurem
alten Stil verdammt treu geblieben. Hattet ihr keine Lust etwas Neues
auszuprobieren oder steckt der Gedanke dahinter, es hat beim ersten Mal
geklappt dann klappt es jetzt auch?
Eddie: Die
letzten beiden Songs, die ich für das erste Album geschrieben habe waren
‚Rusted Guns of Milan’ und ‚Emily Kane’. Und ich mochte wirklich diese Art des
persönlichen Songschreibens, das hat mir wirklich Spaß gemacht. Also dachte ich
mir, dass ich bei dem nächsten Album mehr davon machen würde und ich wollte
mehr Lieder wie ‚Emily Kane’ oder ‚Rusted Guns of Milan’ schreiben. Sie sind
sehr aufrichtige, persönliche Songs. Das ist wohl der Grund, warum es ähnlich
ist, weil es mir einfach Spaß macht. (lacht)
Da ihr eine recht chaotische und
lustige Band seid, aus Engländern und Deutschen zusammengewürfelt und mit
grundverschiedenen Musikgeschmäckern, denkt ihr nicht, dass die Fans etwas
Neues erwarten und eventuell enttäuscht sind?
Eddie: Ich
weiß nicht, ich meine, es ist ganz schön anders, wir haben da schließlich
Trompeten und so ein Zeug drauf.
Jasper: Es ist schon anders, ich meine, schließlich bin
ich da ja jetzt drauf. (lacht)
Eddie: Ja,
wir haben diesmal mit Jasper geprobt. Es ist schon ein wenig anders.
Jasper: Es hört sich ganz schön anders an!
Eddie: (scherzhaft
vorwurfsvoll) Und jetzt mal abgesehen davon: Jeder andere sagt zu uns “Hey, das
hört sich total anders an!“
(Gelächter)
Eddie: Und
ich sag dann immer „Ach, tut es das wirklich? Ich weiß nicht...“ Es ist einfach
wie wir im Moment klingen.
Jasper: Da
stand halt überhaupt kein genaues Planen dahinter. Wahrscheinlich ist das
deswegen dabei herausgekommen.
Eddie: Das nächste Album wird Electric Glam! (lacht)
Wenn wir schon auf die Ähnlichkeit
von Erstlingswerken und ihren Nachfolgern ansprechen, was haltet ihr von der
neuen KAIDER CHIEFS, denn die ist ja auch der alten sehr ähnlich, nur im
Gegenteil zu eurer haben sie ihre Musik nicht verbessert.
(sehr
lautes Lachen)
Eddie: Ich
habe das neue KAISER CHIEFS Album noch nicht gehört.
Jasper: Irgendwie werden uns solche Fragen oft
gestellt. (lacht)
Eddie: Ich
habe das Album noch nicht gehört und ich werde jetzt nicht sagen, dass es
schrecklich ist… Ich werde nicht sagen…
Ich habe ja nicht gesagt, dass es
schlecht ist. Ich habe lediglich gesagt, dass sie sich nicht verbessert haben.
Eddie: Ich
sage jetzt einfach mal “Ich habe es noch nicht gehört.”
Es ist schrecklich!
(Jasper
lacht)
Eddie: Vielleicht.
Aber ich mag das erste KAISER CHIEFS Album sehr. Ich mag wirklich, hm, wie
heißen die Singles noch einmal? (denkt nach)
‘Everyday I
love you less and less’ zum Beispiel.
Eddie: Ja,
das ist brillant! So einen Chorus kannst du mitsingen. Du kannst aber eher
schlecht “Ruby, Ruby, Ruby, Ruby!” singen. Aber gut, das ganze Album habe ich
nicht gehört.
Jasper: Und sie sind wirklich nette Leute.
In einem Interview hast du, Eddie,
mal gesagt, dass du es mit dem Alben produzieren wie die KAISER CHIEFS halten
würdest, dass nach der zweiten CD Schluss ist.
Eddie: An
dem Tag hatte ich wirklich sehr schlechte Laune, denke ich. Zwanzig Alben
machen wir jetzt! Ob ihr das wollt oder nicht. (lacht)
Also war
das einfach eine sinnlose Aussage?
Eddie: Ich
habe es so gemeint, als ich es gesagt habe. Aber jetzt meine ich das nicht
mehr. Ich muss zu dem Zeitpunkt grade lange auf Tour gewesen sein und war
wahrscheinlich traurig und wollte nach Hause. Ich war da wohl ein wenig komisch
drauf. (lacht) Aber ich will jetzt ganz viele Alben schreiben. Ich liebe es,
Alben zu schreiben, es ist so ein Spaß. Und ich habe grade erst das zweite
geschrieben, und was für ein Spaß das war! Es tut mir im Nachhinein Leid, dass
ich das gesagt habe.
Im Song ‚Emily Kane’ habt ihr den
Text geändert, da Eddie ihn aufgrund neuer Ereignisse meinte anpassen zu
müssen. Gibt es noch andere Texte, bei denen
ihr das gemacht habt? Und am wichtigsten, wie werden eure Fans die neuen
„aktuellen“ Songs bekommen?
(Lachen)
Eddie: Bootlegging!
Sie können sie bootleggen! Ich weiß nicht... Weil alle Geschichten wahr sind,
muss ich sie ab und an auf den neuesten Stand bringen, wenn sich in meinem
Leben etwas verändert. (kichert) Ich verändere ständig irgendwelche
Textstellen. Und wieder läuft es darauf hinaus, dass ich wohl ein wenig
egoistisch bin, was? Ich mache das nur, um mich selbst bei Laune zu halten. Tut
mir Leid, wenn ihr das nicht bekommen könnt. Bootlegt die Sachen! Um die neuen
Versionen zu bekommen, müsst ihr halt bootleggen.
Wie wir alle wissen bist du, Eddie,
ja selbst Künstler.
Jasper: (lacht sehr laut) Und wie er das ist!
Nun gibt es ja immer mehr Künstler
die sich in der künstlerischen Öffentlichkeit betätigen. Ob es nun darum geht
Geld damit zu verdienen mit irgendwelchen Blutgemälden (wie Pete Doherty) oder
um wohltätig zu sein durch das Erschaffen überdimensionaler Gitarren (wie Noel
Gallagher und Paul Weller) oder einfach nur ein Bild zu malen und die Intention
zu vertonen (wie THE RAKES). Kann man irgendetwas in diesem Bereich von euch
erwarten?
Eddie: Malen
macht einfach Spaß, oder? Das ist der Grund, warum ich das mache. Ich verkaufe
die Bilder ja nicht oder so. Bisher habe ich sie nur Freunden geschenkt.
Einfach zum Spaß. Ich liebe die Malerei, es macht so viel Spaß. Aber von mir
gibt es keine Blutgemälde. (lacht) Vielleicht kann ich aber ein Bild mit Pete
Dohertys Blut malen (lacht laut). Das wäre toll, ich müsste ihn dafür ein
bisschen pieksen.
Ebenfalls meintest du in einem Interview,
dass du unter anderem auch den Bandnamen ART BRUT gewählt hast um das
Kunstverständnis wieder etwas in den Vordergrund zu heben.
Eddie: Nein, nicht wirklich. Ich habe den Bandnamen
gewählt, weil ART BRUT meine Lieblingskunstform ist. Es ist eine sehr rohe und
aufrichtige Form von Kunst.
Zu der
Zeit, als wir angefangen haben, dachte ich, dass wir wirklich so wären, wir
konnten nicht wirklich gut spielen und das was wir machten war ein wenig
eigenartig. Aus diesem Grund habe ich den Bandnamen eigentlich gewählt, weil
ich das Gefühl hatte, dass wir ART BRUT wären. Und der Plan war ja eigentlich
nur eine Single zu machen.
Jasper: Guck mich nicht so an, ich war nicht dabei.
(grinst)
Eddie: Ja,
stimmt, du warst nicht dabei. (lacht) Also ich hatte nicht angenommen, dass wir
tatsächlich Erfolg haben würden. Und das ist eigentlich wie es funktioniert
hat. Der Name wurde ausgewählt, weil es meine Lieblingskunstform war und ich
dachte, dass wir ein bisschen so wären.
Und mit den Veränderungen innerhalb
der Kunst während der letzten Jahre, denkt ihr, dass Bands, die in dieser Sache
mitmischen, das aus Promotion-Gründen machen?
Eddie: Na
ja, THE LONG BLONDES haben einen Song für ein Bild gemacht, THE RAKES haben so
ein Ding gemacht…
Jasper: (ironisch) Es ist ziemlich cool in einer Band
zu sein und zur Kunsthochschule gegangen zu sein... das ist diese Art von
Kunst-Punk-Ding.
Eddie: Also,
von uns war keiner auf der Kunsthochschule.
Also, wenn du nicht zur
Kunsthochschule gegangen bist, dann darfst du wohl auch keine Band haben, was?
Jasper: Ja,
ziemlich genau so sieht’s aus.
Eddie: Ja,
das ist schon ein bisschen so.
Jasper: Oft habe ich das Gefühl, dass Bands, wenn sie
anfangen, sich so im Stillen denken “Wir werden eine Kunst-Band sein, eine Art
Kunsthochschulen-Band.“ Das ist schon ziemlich offensichtlich.
Um noch bei der Kunst zu bleiben, so
eine Tour kann gewiss auch einen Kulturschock auslösen und eine gewisse
Überreizung der Nerven! Irgendwelche fragwürdigen Erlebnisse die es zu
berichten gibt?
(Lachen)
Eddie: Jasper
ist in den Klamotten einer anderen Person auf den Straßen Kölns gelandet. Und
diese Klamotten gehörten einem sehr viel kleineren Mädchen (Lachen). Nein, ich
mach nur Spaß!
(Die Beiden
brabbeln eine relativ unverständliche Geschichte von einem Taxifahrer, den sie
anscheinend nicht bezahlen konnten, weil sie beide kein Geld dabei hatten, aber
dachten dass jeweils der andere genug Geld dabei hätte.)
Du hast einen Blog beim Guardian
online. Dort habe ich gelesen, dass du selbst im Schlaf Pressefragen
beantwortest.
Eddie: Das
habe ich mal gemacht, ja.
Gibt es sonst noch irgendwelche
Merkwürdigkeiten, die mit deinem Leben als Musiker in Verbindung stehen?
Eddie: Ich
habe ein Problem mit Alkohol (lacht) Das ist es wahrscheinlich, worum es bei
einer Band geht.
Jasper: Allerdings hast du sehr, sehr eigenartige
Schlafgewohnheiten.
Eddie: Ja,
ich schlafe mittlerweile zu den unmöglichsten Zeiten. Ich weiß auch nicht.
Alles an mir hängt wohl mit meinem Leben als Musiker zusammen.
Jasper: Ja, das geht einfach auf dich über. Es ist sehr
schwierig, sich wieder an ein normales Leben zu gewöhnen, wenn man wieder zu
Hause ist. Es ist eigenartig. Du musst auf einmal wieder die Getränke bezahlen.
(lacht) Das ist schon sehr merkwürdig.
Eddie: Aber
Fragen in meinem Schlaf zu beantworten war wohl bisher das Schlimmste. Und ich
habe gesagt: „Mach mir einen Kuchen!“ (lacht)
Jasper: Ja, als du geschlafen hast… „Mach mir einen
Kuchen!“ –„Was?!?“ (lacht)
Interessant ist an diesem Blog, dass
du sagst, es falle dir schwer 400-600 Wörter über eine Woche zu schreiben. Wie
die meisten halte ich dich für recht gesprächig, allein schon deinen Lyrics
entnommen. Meine Frage ist deshalb ob du, nicht zu letzt durch deine
Popularität, vielleicht den Blickwinkel „normaler“ Menschen verloren hast und
die meisten Dinge in deinem Leben, ob als Künstler oder privat, nicht mehr als
etwas Besonderes wahrnimmst?
Eddie: Ja,
das ist alles jetzt nur noch eine einziges, verschwommenes Durcheinander. Die
Sache ist die, mit dem Guardian Blog, da dachte ich mir so „Oh ja, das wird
bestimmt interessant, ich bin ja so unheimlich interessant.“ (grinst)
Jasper: (ironisch)
Oh jaa, du bist ja soo aufregend…
Eddie: Aber
ich wollte auch nicht über Dinge schreiben, die nicht sehr gut sind.
Jasper: Weißt du, die Sache mit diesen Blogs ist doch
die: die Leute denken, sie können einfach alles darein schreiben, einfach so
Dinge aus ihrem alltäglichen Leben. Also ich weiß nicht. Der Alltag der meisten
Menschen ist nun mal ein wenig langweilig. Aber wenn du einen Blog schreibst,
dann solltest du schon interessant und lustig sein...
Eddie: …und
mein Leben ist nicht wirklich interessant. (lacht)
Jasper: (lacht) Ja. Sogar über eine Tour zu schreiben
ist ein bisschen langweilig. „Haben eine Show gespielt. Haben uns betrunken.“ –
toll. Es ist nicht wirklich so, als wenn dir aufregende Dinge passieren würden.
Eddie: Und
ich wollte diese Illusion, wie toll es doch ist, in einer Band zu sein, nicht
zerstören. Aber es ist nicht immer ein Haufen Spaß. (lacht). Dann habe ich mich
allerdings entschieden, das mit dem Guardian Blog zu machen und ich war einfach
für eine Woche zu Hause und hatte nichts mit der Band zu tun. Also habe ich mir
gedacht: „Hm, worüber schreibe ich denn jetzt? So was wie, ‚Habe sauber gemacht.
Habe die Katze gefüttert.’?“ (lacht). Ich wusste nicht wirklich was ich
schreiben sollte und es war Donnerstag.
Jasper: Und donnerstags geht der Blog online…
Eddie: (lacht)
Ja, ich war da wohl ein bisschen spät dran.
Ich denke eure Website ist ein
absoluter Gegensatz zu euch als Band.
(die Beiden
fangen an zu lachen während ich noch die Frage stelle).
Eddie: Danke!
(lacht)
Jasper: Nenn
das doch nicht Website! Das ist doch keine Website, das ist, ach was weiß
ich...
Irgendwie finde ich sie sehr karg
und die Farben sind auch sehr kühl.
Jasper: “Karg”?!? „Karg“ ist nett ausgedrückt!
Ja, ich versuche hier ja auch grade,
das höflich zu formulieren...
Jasper: Ja, wir lassen grade eine neue Website
erstellen.
Da Eddie betonte mit dem Internet
Probleme zu haben, aufgrund eines Erlebnisses in einer Bibliothek, denke ich,
dass die Seite für euch nicht so wichtig ist. Allerdings läuft heute alles
übers Internet, gerät man da nicht in Zugzwang etwas Originelleres zu machen?
Jasper: Ja, wir lassen ja grade eine neue Seite machen.
Der Typ, der die erste Seite gemacht hat, ist ein Vollidiot. Der hat zum
Beispiel den Link zur Website in unser Forum gepackt und hat den ganzen Kids
erzählt, sie wären Vollidioten. Das hat der Webdesigner gemacht! Was ein Idiot!
Eddie: Ja,
der ist ein Arsch! Die Website ist so schlecht, dass die Leute tatsächlich
denken, ich würde die leiten! (lacht) So schlimm ist sie tatsächlich!
Jasper: Wir machen ja zum Beispiel MySpace selbst, das
ist ja wesentlich einfacher, aber nichts zu Aufwändiges, da haben wir keine
Ahnung von.
Und was hat das jetzt mit diesem
Zwischenfall in der Bibliothek auf sich?
Eddie: Ich
habe einen Computer kaputt gemacht, aber ich dachte ich hätte das komplette
Internet kaputt gemacht. (Lachen) Ich war total traurig darüber, habe mir so
vorgestellt „Die ganze Börse bricht zusammen – Eddie Argos hat das Internet
kaputt gemacht“. Und die Bibliothekarin meinte nur „Nein, ist schon in Ordnung,
Sie haben nur diesen Computer kaputt gemacht. In Zukunft, fragen Sie mich, wenn
Sie Hilfe brauchen.“
(Lachen)
Du hast immer betont, dass du nicht
singen könntest. Ich finde allerdings, dass sich der Gesang zur zweiten Platte
hin stark verbessert hat.
Eddie: Oh,
danke!
Liegt das an heimlichem
Gesangsunterricht oder eventuell doch an der Tatsache, dass Übung den Meister
macht?
Eddie: Übung
macht den Meister! Kein Gesangsunterricht!
Jasper: Du weißt schon, wir haben diese Maschine im
Studio... (grinst)
(Lachen)
Eddie: Ich
habe ein Cover gemacht, ‚Once in a lifetime’ von den TALKING HEADS. Die
wollten, dass ich den Chorus singe, aber ich kann nicht singen. Also sollte ich
das in so einer Tonlage singen, dass sie das durch so eine Maschine jagen
könnten, aber sogar das hat nicht geklappt! Tut mir Leid Leute, ich kann einfach
nicht singen! Es gibt nichts, was das ändern könnte. Wir haben alles versucht,
den ganzen Tag lang, aber man kann mich einfach nicht zum Singen bringen! Es
ist unmöglich!
Dieses Album hat zudem mehr
Background Gesang als das erste, nur fehlt mir die Erklärung warum ihr das tut.
Vielleicht ist auch das der Grund warum ich auf einmal finde, dass Eddie echt
gut singen kann? Also Tarnungsmanöver oder Neuverteilung des Gleichgewichts,
nach dem Motto so darf jeder Mal singen?
Eddie: Weil
ich nicht wirklich singen kann, der Song aber eine stimmliche Melodie braucht,
muss das wohl so sein (lacht). Meine Stimme hat keine Melodie, also müssen sie
ihre eigene Melodie einfügen.
Jasper: Und ich mache auch was. Ich mache zwar nicht
sehr viel, aber ich habe auch einen Job.
Eddie: Und
als wir das Album aufgenommen haben, hat er die Backing Vocals gesungen. Mir
war dann langweilig... (lacht)
‚Direct Hit’ ist eure erste Single.
Mich erinnert die Zeile „go on the dancefloor, it´s a direct hit“ aus dem Song
durch ihre recht direkte Aussage und Aufforderung an euren Song „Top of the
pops“. Nun sehen wir alle, dass ihr Erfolg damit habt, den Leuten zu sagen was
sie zu tun haben.
(Lachen)
Wie sieht
es also mit der Weltherrschaft aus?
Eddie: (lacht)
Ehrlich gesagt arbeiten wir da grade drauf hin, ja. Aber ich kann da ja jetzt
nicht mit euch drüber reden, denn dann würdet ihr ja meinen Plan durchschauen.
Jasper: Das ist ein strenggehütetes Geheimnis!
Eddie: Ich fange damit an, dass ich in den
Bibliotheken alle Bibeln in die „Fiction“ Abteilung stelle! (lacht)
Jasper: Sshhhhhhhhh!!!
Eddie: Ja, Weltherrschaft! Los geht’s!
Das sollte
jetzt eigentlich eine gute Überleitung zum Thema Politik werden.
Jasper: Ah, brillant!
Wo ihr 2005 noch die Israelis und
Palästinenser vereinen wolltet, singt ihr heute kein bisschen mehr von
globaleren Themen! Ist euch das Thema dann doch zu heikel oder habt ihr einfach
eingesehen, dass ein Popsong das wohl auch nicht mehr richten wird?
Eddie: Ahh, ich weiß nicht. Ja. (denkt, brabbelt was
Unverständliches)
Jasper: (total trocken) Ja!
(Lachen)
Eddie: Ja,
aber es gibt dieses Orchester, in dem Israelis und Palästinenser zusammen
spielen. Ich meine, das ist klassische Musik und klassische Musik ist Scheiße.
Wie toll wäre das, wenn es das mit Popmusik gäbe? (Jasper lacht.) Es ist also
möglich! Das ist eine großartige Antwort! (lacht) Aber wie ich gesagt habe, mit
‚Emily Kane’ und ‚Rusted Guns of Milan’, ich schreibe halt persönliche Songs
aus ganz egoistischen Gründen.
Und was haltet ihr allgemein von den
arg moralisch, politisch korrekten Bands, wie U2 und BLOC PARTY, denn eure
spaßigen Lieder muss man nun mal im totalen Kontrast zu dieser Musik sehen?
Eddie: Ich
bin schon an Politik interessiert, ich habe mich schon immer sehr für Politik
interessiert. Aber ich schreibe nun mal Popsongs, weißt du.
Jasper: Ich mag es nicht so, wenn man die beiden
vermischt. Politik ist schon wichtig, aber ich finde in Popmusik hat das nichts
zu suchen.
Eddie: Wir
sind keine politische Band.
Jasper: Und irgendwas, das mit Bono zu tun hat ist
Scheiße, denn er ist ein Riesenarschloch.
Eddie: Ja
genau, Bono ist ein Riesenarschloch. Das ist der Grund, warum wir keine Politik
in unserer Musik haben. (lacht)
‚Pump up the volume’ ist der Opener
eures Albums. Mal abgesehen davon, dass ich die Textzeile “I know I shouldn´t,
this is so wrong, to break through your kiss, to turn up a popsong“ genial
finde und mich natürlich brennend interessiert ob ihr wirklich eine Frau für
einen Popsong stehen lasst, wäre das doch auch eine gute Single, gibt es schon
Pläne für die zweite Single?
Eddie: Ja,
das ist mein Lieblingslied auf dem Album.
Jasper: Ja, ich bin ziemlich sicher, dass das die
zweite Single wird, ja. Das ist jetzt eure Sensationsnachricht! (lacht)
Eddie: Und es
ist wahr. Ich mache das wirklich andauernd, weißt du. Ich bin echt schlecht,
wenn es um Mädchen geht. (spielt eine Unterhaltung zwischen ihm und einem
Mädchen) „Hey, das ist großartig! Wo waren wir noch mal?“ (lacht)
Jasper: „Wer bist du überhaupt?“
(Lachen
sich kaputt.)
Ich kann mir bei dem Song nicht
vorstellen dass dies der Working Title war, denn irgendwie klingt der auf
Opener getunt.
Eddie: Der
Song heißt so, weil es schon einen anderen Song gibt, der so heißt. Eigentlich
hatte ich den Song als Scherz so genannt, so für mein eigenes Vergnügen, aber
irgendwie ist der Name dann so hängen geblieben. Er sollte an einem Punkt
‚Turning on pop songs’ heißen, aber das ist jetzt Müll. Denn ‚Pump up the
volume’ ist ein sehr guter Name. Denke ich persönlich zumindest.
Der ist halt sehr catchy.
Eddie: Ja,
und dabei ist es dann geblieben. Ich hab ihn also von Mars gestohlen. Mars der
Band, nicht Mars der Planet. (Gelächter) Kennt ihr den überhaupt? (singt uns
das Lied vor)
Jasper: Ich mag den Song, es ist also eine Hommage.
Eddie: Genau!
Das ist der Song, den ich in unserem Song anmache! (Lachen sich kaputt)
Und das Mädchen rennt sofort weg.
(Die Beiden
lachen lustig weiter.)
St. Pauli habt ihr schon des öfteren
auf der Bühne gespielt. Nun ist dieser bekannte Song auf dem Album gelandet,
wobei ich ihn persönlich eher als B-Seite genutzt hätte.
(Und wieder
mal Gelächter.)
Habt ihr euch dazu entschieden
diesen Song aufs Album zu nehmen, um die Verbundenheit zu Deutschland
aufzuweisen oder ist der Song generell beliebt?
Eddie: Der
ist schon generell sehr beliebt. Nur weil du den jetzt nicht magst... (lacht) Wir
haben den ja auch ein bisschen verändert, er ist schon anders jetzt.
Jasper: Er hat sich eigentlich ziemlich verändert.
Eddie: Ich
mag den Song sehr gerne.
(Annette
erzählt Eddie, dass der Song bei einem Sieg von St. Pauli im Stadion gespielt
wurde.)
Die DVD „Talk to the Kids“ wurde von
euren Fans nicht so gut angenommen wie euer Album. Ich kann das ein wenig
nachvollziehen, da die DVD recht langweilig erscheint, zumindest wenn man euch
nach euren Songs beurteilt. Ist das nicht unheimlich nervend wenn man einmal so
einen Ruf weg hat?
Eddie: Cargo
dachten wir könnten noch eine DVD machen, weil das eine nette Sache ist. Das
Problem war nur, dass wir unterwegs waren und uns die DVD nicht angucken
konnten, bevor sie veröffentlicht wurde. Also: tut mir Leid wegen der DVD. In
Amerika ist sie jetzt auch draußen – genial. (grinst) Sie ist wirklich sehr
langweilig. Wir werden eine viel bessere DVD machen, ich verspreche es.
Ihr seid denke ich auch so beliebt
geworden, weil ihr nach euren Gigs immer mit den Fans zusammen etwas trinkt und
redet. Ich erinnere mich an eine Story bei der Jasper sich sogar von einem
Bekannten von mir beim Pinkeln zulabern ließ ohne genervt das Weite zu suchen,
selbst als er währenddessen ein Foto von beiden nebeneinander machte.
Eddie: Beim
Pinkeln?!?
Jasper: Ja, das hört sich nach mir an. (lacht)
Jetzt sind eure Konzerte ausverkauft
und das rasend schnell. Bleibt ihr diesem Image trotzdem treu oder wird es
Einschränkungen geben?
Jasper: Nein, so was werde ich weiterhin machen.
Eddie: Darum
geht es ja auch, wenn man in einer Band ist.
Jasper: Ja, ich meine, ich sehe die anderen ja jeden
Tag, da ist es schon ganz nett, ab und zu mal mit anderen Leuten zu reden.
Eddie: Es
geht ja auch darum, viele Freunde zu finden.
Jasper: Und hinter der Bühne ist es so langweilig!
Eddie: Vorne
ist der ganze Spaß!
Jasper: Da spielt die Musik, dafür bezahlt man das
Geld.
Das neue Album ist nun noch nicht
auf dem Markt, aber ihr geht schon auf Tour. Einerseits bietet Touren die beste
Promotion, anderseits ist es aber auch toll wenn die Leute eure Songs
mitsingen. Wie seht ihr das? Wie war’s auf der letzten Tour? Besser vor der
Veröffentlichung zu spielen oder danach?
Eddie: Kann
ich mich nicht wirklich erinnern... Wobei, es ist schon komisch, die Leute
scheinen die Songs sowieso zu kennen. Sie können die Lieder sowieso mitsingen.
Daran ist wohl das Internet Schuld. Die Leute haben es wohl aus dem Internet
geklaut. Aber das macht mir nichts aus. Ich finde das sogar gut, denn es ist
viel schöner, wenn das Publikum die Texte mitsingen kann.
Jasper: Ja, das ist schön. Und jedes Mal wenn du
spielst, können immer mehr Leute mitsingen.
Abschließend
bedankt sich Eddie noch einmal für die Tablette, es scheint ihm nämlich
wirklich besser zu gehen. Und auch am Abend, kurz vor dem Konzert, beschäftigt
ihn das anscheinende Wundermittel immer noch, als er uns erzählt, dass er wohl
eigenartige Träume hatte.
http://www.artbrutmusik.de
http://myspace.com/artbrut
(Jessica
Schnittger, Annette Raczuhn)
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