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Jeans, Schminke und Erektionen: TURBONEGRO in der Live Music Hall.
Was bekommt man, wenn man sechs seltsam kostümierte Männer
zum Konzert bittet, sie einen sehr eingängigen Mix aus Punkrock, Rock’n’Roll
und vielen mitgröltauglichen Texten über homosexuellen Geschlechtsverkehr
spielen lässt und dazu zighundert Fans in Jeansjacken steckt, ihnen ein Bier in
die Hand drückt und sie vor die Bühne verpflanzt? Richtig, ein verdammt gutes Konzert von TURBONEGRO in der Kölner Live Music Hall.
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Schon bevor die sechs Musiker um Sänger Hank von Helvete die
Band betreten hatten, konnte man in der Halle dem Kondenswasser beim Tropfen
zusehen: die Vorband BOOZED verstand ihr Handwerk nicht schlecht und ließ ein
tanzbares Stück nach dem anderen aus den Boxen krachen, auf dass die Menge sich
gehörig einrocke. Und das tat sie. Unglaublich, dass bei solch dicht gedrängter
Vorfreude überhaupt noch Platz zum Tanzen war. Mit schweißverklebten Haaren und
halbverschüttetem Bier erwarteten wir also, dass die Osloer Deathpunker (Death Punk
ist die selbst gewählte Musikrichtung der Band) uns mit ihrer Anwesenheit
beglückten.
Als das Saallicht herunterfuhr und die Spots sich auf die
Bühne richteten, zeigten sich TURBONEGRO in voller Pracht und machten das, was
sie am besten können: Verdammt gut aussehen und verdammt hart rocken. Hank
präsentierte sich, eingehüllt in eine Amerikafahne, die mehr als genug Blicke
auf seine wohlgeformte Plauze zuließ, komplett mit übertriebener Schminke und
wirbelndem Spazierstock, in seiner kompletten, stark maskulinen Pracht, und
auch der Rest der Band bot einen wunderbaren Augenschmaus. Dazu trugen
natürlich nicht nur die Kopfbedeckungen (vom Safarihut bis zur Offiziersmütze)
bei, auch die leicht tänzelnden Bewegungen seitens des Keyboarders Pal Pot und
Euroboys unverschämtes Gepose waren maßgeblich beteiligt.
Kaum krachten die ersten Powerchords durch die (übrigens
ziemlich gut abgemischten) Boxen, als die Menge auch schon ausrastete, Hände
wurden in die Luft gereckt, Texte wurden mitgeschrien und Pogo wurde getanzt.
Es dauerte keine zwei Minuten, bis allen in der Halle, einschließlich mir, der
Schweiß in die Augen lief. Doch wer dachte, er bekäme nach dem ersten Lied eine
Verschnaufpause serviert, sollte sich noch einmal überlegen, bei welchem
Konzert er gerade sein durfte. Gitarrist Euroboy ließ sich von so trivialen
Dingen wie Songwechseln überhaupt nicht beirren und schrammte einfach munter
weiter, und während wir alle noch nach Atem japsten, erschallte auch schon der
nächste Song, der, beinahe überflüssig zu erwähnen, natürlich auch ohne Umweg
über das Gehirn direkt vom Ohr in die Beine fuhr.
Ein Hit jagte den nächsten, und die geschminkten Fans,
hauptsächlich aus textsicheren Durch-und-durch-Fans bestehend, freuten sich bei
Hits von "Blow Me Like The Wind" bis "Prince Of The Rodeo" und von "Sell Your Body
(To The Night)" bis "Back To Dungaree High" die Gesichter quer. TURBONEGRO
verloren kaum Zeit mit Songansagen oder Werbung für ihr neues Album ("Retox" mit
Namen, zwei Songs der neuen Platte wurden vorgestellt und reihten sich
exzellent in die Reihe der bisherigen Hymnen ein), nach ein oder zwei von Hanks
grandios dummen Witzen (prima dargeboten in einer Mischung aus Englisch und
gebrochenem Deutsch, „you have a church
that can’t be bombed and a beer that keiner trinken will“) sah man schon wieder
die Drumsticks durch die Luft wirbeln.
Nachdem die Band zwischendurch kommentarlos von der Bühne
verschwunden war und sich erst nach einiger Zeit und unter viel „Zugabe“ wieder
auf selbige hinauf bitten ließen, kündigte der unverwechselbare Sound von
Luftschutzsirenen (sprich: das Intro namens Apocalypse Dudes) den nächsten Hit
an: "The Age Of Pamparius" ließ der Turbojugend (TURBONEGROs Fanclub, erkennbar
an Jeansjacken und Seemannsmützen) die Freudentränen in die Augen steigen. Doch
die Band wusste, wie man auftrumpft und kramte noch tiefer in der Trickkiste,
um immer neue Deathpunk-Arien über die Saiten zu zaubern.
Als die Band mit dem gloriosen Song "I Got Erection" ihr
Konzert zum Klimax brachten, war sicherlich keine Achsel im Raum mehr trocken,
und mit breitem Lächeln und heiseren Kehlen verließen wir ein leider viel zu
kurzes Konzert.
Ob der Abend perfekt war? Nicht ganz. Ich persönlich hatte
etwas mehr Bühnenperformance erwartet, obwohl Euroboy sich tapfer solospielenderweise
vom Schlagzeug stürzte, fehlten einfach Aktionen wie falsches Blut ins Publikum
kippen oder Feuerwerksraketen aus Hanks Hintern starten lassen, um das
TURBONEGRO-Feeling zu komplettieren.
Fazit: Es war schnell, es war hart, es war TURBONEGRO. Wenn
ihr auf technisch versiertes Powerchord-Geschremmel und mit Doppeldeutigkeiten
versetzte Mitsingtexte steht, kauft euch eine Jeansjacke, fangt an, Kajal zu
benutzen und lasst euch ein Konzert der Norweger in Zukunft auf keinen Fall entgehen.
(Jörn Meyer)
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