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Irgendwo ist man bei einer Soloplatte eines Künstlers wie
Brett Anderson leicht gezwungen ein Interview zu machen, denn neben der
Soloplatte kann er auch auf langjährige musikalische Erfahrung mit SUEDE und THE TEARS zurückblicken.
Genau aus diesem Grund habe ich eine Freundin um Hilfe
gebeten und wir haben uns zu zweit auf den Weg gemacht um etwas mehr über Brett
Anderson, seine gleichnamige Soloplatte und seine Vergangenheit zu erfahren.
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Ort des Interviews ist der Prime Club in Köln, wo er
innerhalb der British Music Week seines erstes Deutschlandkonzert seit dem
Release seiner Platte gibt.
Setzt euch am besten
an den Tisch dort.
Wusstet ihr das ich
hier in Köln ein eigenes Büro habe? Hier ist zum Beispiel mein Computer (zeigt
auf seinen Laptop)
Und bist du gut hergekommen, du bist ja relativ früh morgens
hier angekommen, ich sah den Tourbus gegen 7 Uhr vorfahren.
Nein, ich bin nicht
mit den anderen gefahren, ich war schon gestern Nacht in Köln. Aber was machst
du so früh hier in der Gegend?
Ich bin aus einem Club gekommen, gegenüber, der Rose Club.
Ach was, du hast Party
gemacht, oder war da auch ein Konzert?
Nein nur feiern.
(jetzt unterbrach ich die beiden dann doch) Wir sollten
langsam anfangen
(lacht) okay, dann
fang mal an
Der Unterschied zwischen deinem Soloalbum und Suede/The
Tears ist offensichtlich, die Gitarre wird nur als Begleitinstrument genutzt und
deine Stimme trägt die Melodie. Hast du deine musikalische Freiheit genossen?
Ja! Doch ich habe
meine musikalische Freiheit genossen. Als ich in der Band war, da hatten wir
alle unterschiedliche Vorstellungen, das kann sehr dynamisch sein, aber dennoch
habe ich die Freiheit genutzt.
Ich hatte schon immer
meine ganz eigenen, genauen Vorstellungen und in einer Rockband muss man so
viele Kompromisse eingehen. Wie ich schon gesagt habe, manchmal machen diese
Kompromisse die Musik erst richtig gut, da ist immer so ein Feuer zwischen der
Stimme und den Gitarren, das Musik erst richtig interessant macht, allerdings
gewinnt manchmal die Stimme und das klingt dann nicht mehr so gut.
Mein nächstes Album
wird definitiv wieder gitarrenlastiger.
Seit wann denkst du über eine Solokarriere nach? Was war der
ausschlaggebende Punkt das durchzuziehen?
Wer ist der gute Cop
und wer ist der Böse? Wisst ihr was ich meine, ihr wechselt euch immer so ab,
der eine stellt eine böse Frage und der andere eine gute, damit man bei der
guten mehr erzählt.
Also wer ist der Gute
und wer der Schlechte?
(In diesem Moment meldete sich meine Hilfe Susanne): Ich bin
nicht der böse Cop.
Also bist du der böse
Cop?
Joa, das kann schon passen, außerdem muss ich es sein, denn
sie ist ja der Gute.
Exakt, du musst der
böse sein (ein Lächeln blitzt auf)
So was war die Frage…
Seit wann denkst du über eine Solokarriere nach? Was war der
ausschlaggebende Punkt das durchzuziehen?
Oh, das weiß ich
nicht, ich dachte immer ich wäre den Rest meines Lebens Mitglied von Suede.
(lächelt) Aber dazu ist es nicht gekommen.
Ich weiß nicht, also
es war nie mein großer Plan mal eine Solokarriere zu starten. Man kann die
Platte als einen Unfall sehen, ich dachte mir, was wäre toll als nächstes zu
machen und mir fehlte eine Band.
(Ich stellte das Diktiergerät genau unter seine Nase)
Oh, murmel ich schon
wieder?
Ja doch, schon ein bisschen!
Eine Frage interessiert mich sehr. Ist es schwerer ein
Album mit einer Band aufzunehmen oder als Solokünstler? Was bevorzugst du?
Nein, dieses Album war
wirklich einfach zu machen. Es war großartig, du kannst dir sicher vorstellen, dass
man als Solokünstler einfach mehr Kontrolle hat. Wenn man es so betrachtet ist
es einfacher ein Soloalbum zu machen
Aber ich weiß nicht
was ich bevorzuge.
Die Meinungen über deine Platte sind sehr unterschiedlich.
Was denkst du ist der Grund dafür?
Ich weiß es nicht, viele
Leute hassen mich und viele Leute lieben mich.
Wisst ihr, es liegt
vielleicht auch daran, das es verdammt einfach für mich gewesen wäre, wenn ich
ein anspruchsloses, gitarrenlastiges Album gemacht hätte, was jeder gut findet,
aber genau das wollte ich nicht.
Ich will jetzt nicht
rückblickend sagen, das meine frühere Musik so war, die Texte waren immer
schwer und auch der Sound, ich habe auch interessante gitarrenlastige Musik
gemacht.
Also hast du versucht ein Album zu produzieren, das anders
klingt, als die Alben, die du mit Suede und the Tears produziert hast?
Ja, ich habe es
versucht ein anderes Album zu machen. Ich wollte mich definitiv von den Band-Alben
distanzieren und etwas gänzlich anderes probieren.
Was denkt Bernard Butler über diese CD?
Ich weiß nicht,
vielleicht solltet ihr ihn das fragen.
Ich habe ihm „Love is
dead“ im Winter vorgespielt, als wir das „The Tears“ Album produziert haben,
also schon vor ein paar Jahren. Und er mochte es.
Also hast du das Album zur gleichen Zeit geschrieben?
Ja, ich habe es
angefangen zu dieser Zeit.
Deine Texte sind nun direkter und man kann sagen auch
privater als vorher. Wurdest du von etwas Bestimmten inspiriert oder war es
dein Bestreben gute und schlechte Erfahrungen zu verarbeiten?
War es durch was
Spezielles inspiriert? Songs werden doch immer durch etwas inspiriert. Ob durch
Liebe oder Schmerz und du kannst daraus was Gutes machen. Natürlich auch
Erfahrungen.
Also ist die Antwort
ja.
London und auch alte Phrasen wie “Plastic People” sind immer
noch in deinen Texten enthalten. Also kann man auch irgendwie behaupten, dass
sich nicht alles geändert hat?
Yeah, das stimmt. Ich
benutze Phrasen die ich früher benutzt habe, ich mag sie. Solange man den
Subtext zeitgemäß gestaltet, ist das auch vollkommen okay.
Es ist einfach das zu
kritisieren, ich hasse es, wenn Leute die Texte durchsuchen nach Phrasen die ich
vorher schon mal benutzt habe. Mit dem Sound ist es ähnlich, man kann nicht
immer etwas Neues erfinden, so langsam ist alles ausgeschöpft.
Das Album jedoch ist
ein vollkommen neues Album, man kann das nicht an Phrasen oder Wörtern schlecht
machen, nur weil die gleich geblieben sind.
Lass und über deine Fans sprechen, denn Fans waren für Suede
immer sehr wichtig, wenn ich mich so an die Fanclubkonzerte und die speziellen
Fanclub CDs erinnere. Denkst du, die meisten der Leute, die deine CD kaufen
sind alte Fans. Und wo liegt möglicherweise der Unterschied zwischen alten und
neuen Fans?
Womöglich ja.
Was der Unterschied
ist kann ich nicht sagen, ich weiß nicht ob das Album penetrant genug ist neue
Hörer zu gewinne. Um ehrlich zu sein, es ist ein eher unauffälliges Album, es
hat keine Hits, nichts radiotaugliches.
Ich glaube es werden
ausschließlich alte Fans sein, die zu meinen Gigs kommen, natürlich ist es
immer cool neue Leute kennen zu lernen und dabei zu haben, aber ich kann es dir
nicht sagen.
Du hast in einem Interview gesagt dass deine Musik nur mit
der Dunkelheit funktioniert, kannst du das etwas genauer erklären?
Ich mag keine Musik, die
keine Dunkelheit hat. So Musik wie die von Michael Jackson zum Beispiel, der Mann
hat ein deprimierendes Leben, aber das merkt man seiner Musik nicht an. In der
Musik von Prince sehe ich wiederum viele traurige Dinge. Und ich liebe Prince,
da ist immer so etwas gefährliches Enthalten, nicht wie bei Michael Jackson.
Es ist nicht so, dass
ich jeden Tag Prince höre, ich wollte mich damit nur erklären.
Wenn ich an Musik
denke, die keine deprimierenden Texte hat, dann denke ich an Bands wie „Westlife“
und „NSync“. Ich verstehe es nicht, wie jemand die mag. Das ist als ob man
jemanden fragt: „Was ist dein Lieblingsessen?“ Und er antwortet dir: „MCDonalds“.
Das ist kein Essen das ist Plastik.
Woher kommt die Einstellung das Leben sei traurig, trostlos
und deprimierend?
Weil es das ist.
Es ist auch manchmal toll und wundervoll. Es
ist beides. Nur weil ich eine Platte gemacht habe die von den traurigen Dingen
handelt ist mein Leben nicht traurig oder trostlos, ich habe einfach nur
versucht diese Seite des Lebens in meinen Songs zu reflektieren. Das macht
einfach die Energie meiner Musik aus.
Aber das Leben ist
eine Menge, es ist tausend von Dingen. Es ist wundervoll, aber es kann auch
sehr dunkel sein.
Du bist ja jetzt im Gegensatz zu früher in einem Alter in dem
man retrospektiver über alles nachdenkt, was man im Leben so gemacht hat. Dinge
die falsch gelaufen sind, was man richtig gemacht hat und was man noch machen
will. Kannst du mir da vielleicht ein paar Beispiele geben?
Ach ist das so?
(lacht, als ob er mir sagen will “und du junges Ding weißt das”)
Als ich ein kleiner
Junge war wollte ich immer ins Weltall fliegen und Astronaut bei der NASA
werden.
Das ist etwas was ich
bereue und etwas was ich noch nie getan habe.
Hast du
irgendwelche Pläne mit anderen Künstlern oder Bands zusammenzuarbeiten oder
gibt es vielleicht Bands von denen du dich persönlich inspirieren lässt?
Ja das habe ich, ich
mag eine Menge andere Bands. Ich werde nun bald anfangen mein zweites Soloalbum
zu produzieren und werde bestimmt mit dem einen oder anderen zusammenarbeiten.
Aber ich werde kein
Duett mit Elton John machen, falls du das meintest. Daran bin ich nämlich
wirklich nicht interessiert.
Es gibt viele neue
gute Bands: The Shins, Midlake, Arcade Fire, Interpol. Ich höre lieber neue
Sachen, denn ich bin neugierig das alles zu entdecken.
Zur Zeit gibt es viele Reunions von Bands, welche Mitglieder
hatten, die ebenfalls eine Solokarriere eingeschlagen haben, wie The Stooges
oder The Smashing Pumpkins. Und es gibt Solokünstler die froh sind nicht mehr
in einer Band zu sein, wie Morrissey und Jarvis Cocker.
Zu was tendierst du eher?
Also ich gehe heute als Soloartist
auf die Bühne, oder fragst du mich gerade ob Suede wiedervereint werden, denn
dann war das ein guter Trick.
Man kann nie sagen was
die Zukunft bringt, vielleicht werden die Smiths wieder zusammenspielen. Aber
ich habe nicht vor Suede wiederzuvereinigen, denn ich denke, diese Band kann
nicht wieder zusammenspielen, das wäre auch irgendwie traurig.
Wenn du an 1997 zurückdenkst, was waren deine Suede Lieblingssongs und welche
sind es in 2007. Und wenn sich deine Favoriten verändert haben, was hat das beeinflusst?
1997, puh, das ist
lang her. In 1997 haben wir grade “coming up” releast. Suede
war eine neue Band mit einem neuen Line up, da haben wir kaum die vorherigen
Songs gespielt.
„Saturday Night“ oder „Trash“,
ich mochte die beiden da ganz gerne. Nun ist es „Pretty the Wild“. Es ist
schwer sich nur für einen Song entscheiden zu dürfen, denn es gibt so schrecklich
viele Gute. „Wild ones“, „next life“, „sleeping pills“,“ big time“,“ the 2 of
us“ (ab da flogen uns, meines Erachtens so ziemlich alle Lieder um die Ohren,
die Suede jemals gespielt haben).
Suede waren bekannt für ihre B-Seiten. Für mich ist beispielsweise
„this time“ der beste eurer Songs…
Ich habe eine
Lieblings B-Seite, aber ich werde dir nicht sagen welche es ist, das musst du
erraten.
Ehrlich?
Jaaaa! Es ist eine
sehr alte B-Seite.
Nur eine?
Jap, nur eine einzige!
Von 1993! Das ist alles was ich dir jetzt sage.
Okay.
Aber ich werde sie
heute Nacht zum ersten Mal spielen, ganz alleine mit meiner Akustikgitarre.
So um zur eigentlichen Frage zurückzukommen. Jetzt, nach all den Jahren, gibt
es einen Song, bei dem du es bereust, dass er auf einem Album gelandet ist?
Ja viele davon, die
meisten. Es ist schwer sie auszusuchen. Manchmal kann man nicht sehen was ein
guter Song ist, wenn man gerade das Album aufnimmt.
Auf meinem jetzigen
Album gibt es einen Song „Clowns“ der war als B-Seite auf „Love is dead“ und
den finde ich richtig beschissen.
Okay, danke, das war es schon.
Bis heut Abend Ladies.
http://www.brettanderson.co.uk/
http://www.myspace.com/brettandersonofficial
(Annette Raczuhn, Susanne Klapper)
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