|
„I lay down
some fucking hits”
Der Andrang war frustrierend, schien sich doch kaum etwas
beim Kartenverkauf getan zu haben. Weiß man über die Qualität dieser Band aus L.A
allerdings bescheid, ärgert es einen umso mehr, dass das Gebäude9 nur zu einem
Drittel gefüllt werden konnte.
The Blood Arm, eine 4 köpfige Band, mit chaotischer
Biografie und phantastischer Musik. Eine Mischung aus Indie, Britpop, Groove
und in keinerweise vergleichbar mit irgendeiner anderen Band, die zwischen 2004
und 2007 aus dem Nichts angespült wurde.
Im Februar kam endlich auch in Deutschland das Album „Lie
Lover Lie“ heraus und auch in Musikzeitschriften wurde gerne ein Song auf die
beiliegende CD gepackt.
|
Und da ist er endlich, Ben Lee Handler, der „Master of Ceremonies“.
„Hallo Köln, kommt alle zur Bühne, ich möchte euch eine Geschichte erzählen.
Kommt alle her. Eines Tages sagte man mir, als ich noch klein war, Ben Lee, du
wirst dich besser fühlen, wenn du Drogen nimmst. Und ich nahm Drogen und fühlte
mich großartig. Ich flog gen Himmel zu Jesus Christus. Ich bekam 14 Jungfrauen
und Früchte und Wein. Aber dann, dann fühlte ich mich ein wenig schwach,
schnell ließ die Wirkung der Drogen nach und ich sage euch, das es kein schönes
Gefühl ist. Ich wollte Musik hören, doch da schaute Gott zu mir herauf und
meinte, dass es hier keine gute Musik gäbe. Die gibt es nur in Köln, heute Abend
und so sagt nun alle Hallelujah, Hallelujah das wir hier sind.
Und tatsächlich sagten alle Hallelujah…
Um 21:30 Uhr betritt die Band nun endlich die Bühne und haut
uns direkt den Opener „Stay put“ um die Ohren, mit einem genuschelten „I lay
down some fucking hits“ soll Nathaniel, der Sänger mit dem ganz besonderen
Hüftschwung auch recht behalten.
Nach dem Song „Do I have your attention“ nun der erste
Kontakt zum Publikum „Danke, ihr seid wirklich schön Deutschland“ und dann
steigt er nicht zum letzten Mal herab von seiner Bühne „I have to give you a
kiss“ und lässt ein verdutztes Mädchen hinter sich.
Ja, gesprächig ist ein Adjektiv, das nur allzu gut zu
Nathaniel passt, dem zwar kleinen aber umso spontaneren Gründer dieser Band
„This song reminds me, when I lost my virginity … last night“ und während er
wieder mal ins Publikum steigt und nicht davon ablässt so ziemlich jeden seiner
„Gäste“ mal kennen zulernen singt er „Mass Murder“.
Dann folgt direkt der nächste Höhepunkt und damit meine ich
nicht den wahrscheinlich coolste und groovigsten Song, den dieses Album zu
bieten hat, denn nach „The Chasers“ wieder eine kurze Redepause „ Das erste was
ihr über mich erfahren habt war, wann ich meine Unschuld verloren hab. Das
zweite ist der Name des gutaussehenden Mädchens hier vorne“ „What´s your name“
„Katharina“ „Oh, this is the most beautiful name I´ve ever heard“ und irgendwie
erinnert die Gestik an Eddie Argos (von Art Brut), der Hüftschwung an Elvis und
die Stimme an Adam Green.
Und irgendwie hat er zurecht Film studiert, denn selbst die
Bitte wir sollen uns jetzt alle hinsetzen um ein kleines Projekt zu machen,
trotz der Erkenntnis „and look, the floor is so filfhty, isn´t it“ setzen sich
wirklich alle hin und hören gebannt zu, wie Nathaniel die Ballade „Angela“ mit
dem fragwürdigen Text und meiner Lieblingszeile „…I miss you like a nuclear
bomb“ trällert.
„oh
cologne, oh it smells so good in cologne, like my three favorites: sex, sex and
unicorns“ und „do you know what we will do after this concert … with katharina
… in my hotel room” und schon erklingt “accidental soul” und mein persönlicher
Rat an Katharina ist eine Zeile dieses midtempo Songs “…I say it all night, so
find out, every lover lies sometimes…”. Und wer jetzt denkt, nur die
erste Reihe wäre betroffen, der hat falsch gedacht, denn Nathaniel bahnt sich
seinen Weg bis nach ganz hinten “Hallo, what´s your name?“ „Thomas!“ „Hallo Thomas, where are you from?“
„Mönchengladbach“ „Monch…what?“ „From far far away“ „Okay this next song is for
Thomas who comes from far far away close to my heart, which is exactly here,
somewhere in the stomacharea“.
Dann endlich der Hit, der mit dem The Blood Arm bekannt
wurden und vor allem, der Song , der genauso vor Selbstüberzeugung strotzt wie
das Urteil des Frontmanns über die Band “Suspicious Charakter” mit dem
eingängigen Refrain “I Love all the Girls and all the Girls Love me” und während
sich Nathaniel hüpfend den Weg zurückbahnte, Stecker raus, Mikro weg und totales
Chaos für die nach vorne stürmenden Techniker. Doch wäre das ein guter Frontman
wenn er nicht weiter wüsste „oh cologne, what happens next“ und schon singt er
in einem völlig leisen Konzertsaal „Dolores Delivers a glorious death“ mit der
doch so zutreffenden Zeile „oh I just can´t wait to see … what happens next…“.
Ich möchte an dieser Stelle dem Sänger und vor allem seiner grandiosen Stimme
Respekt zollen, denn a cappella wirkte der Song noch mehr als auf Band.
Dann trat die Band unter tosendem Beifall ab und nach
vielleicht einer halben Minute unter tosendem Beifall auch wieder auf. Als
Zugabe winkt uns „don´t pay for this simplify“ und wie man einen Rausschmeißer-Song
gestaltet, dass haben The Blood Arm für sich ganz neu erfunden, denn Nathaniel,
natürlich - wer sonst, rennt ohne einmal nach hinten zu gucken durch einen
Notausgang raus aus dem Club und als wären sie ihm alle gehörig, rennt das
Publikum natürlich hinterher.
Und das war es schon, dass es ein phänomenales Konzert war
muss ich nicht sagen, dass sich das Publikum nicht trennen konnte sollte man
erwähnen und irgendwie wollte man ja auch selber nicht dass es aufhört.
(Annette Raczuhn)
|